Carmen Kästner

200 Carmen Kästner

„Ich bin linksextrem, weil ich mich gegen Bundeswehrveranstaltungen an Schulen und Unis wehre.

Mir stellt sich die Frage, ob alle Maßnahmen und Methoden wie sie derzeit angewandt werden, auch legitim und moralisch vertretbar sind. Die Informationsveranstaltungen der Bundeswehr vermitteln durchgehend ein Bild, als sei die Bundeswehr ein „normaler“ Arbeitgeber. Es werden Argumente für die Bundeswehr angeführt, die man durchaus als Lockangebote bezeichnen kann. Möglichkeit des Studiums, langfristige Beschäftigungsgarantie, hervorragende Aufstiegsmöglichkeiten und dergleichen. Zielgruppe der Ansprache sind junge Menschen am Beginn ihres beruflichen Weges und auch Jugendliche, die ihre schulische Ausbildung noch beenden müssen. Menschen also, die sich in einer Orientierungs- und Findungsphase befinden, die in aller Regel geprägt ist von Unsicherheit und Zukunftssorgen.

Schülerinnen und Schüler sind im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung Schutzbefohlene ihrer Lehrer, der Schule und letztlich auch des Schulträgers einschließlich des verantwortlichen Landesministeriums. Wie kann man aber diesem Schutzauftrag gerecht werden, wenn Interessengruppen wie die Bundeswehr Zugang zu den Schülerinnen und Schülern haben und sie einseitig informieren? Darüber hinaus werden in mindestens acht Bundesländern im Rahmen von Kooperationsverträgen auch die Referendarinnen und Referendare von Jugendoffizieren „ausgebildet“. Dies als Indoktrinationsversuch zu bezeichnen, ist vielleicht überspitzt – trotzdem naheliegend. Davon ausgehend, dass die Bundeswehr, spätestens seit dem Einsatz im damaligen Jugoslawien, kein Arbeitgeber wie jeder andere ist, dass nicht nur eine relevante Gefahr für die körperliche und seelische Verfassung für Bundeswehrangehörige im Rahmen ihrer Auslandseinsätze existiert und dass die zunehmenden –und stetig besser finanzierten– Werbemaßnahmen auch zu einer wachsenden Toleranz von Kriegseinsätzen beitragen, erfüllt es mich mit großer Sorge, sollten sich diese Tendenzen fortsetzen oder gar erweitern.

Im Jahresbericht 2011 der Jugendoffiziere wird von den großen Bemühungen berichtet, Schülerinnen und Schüler die dringende Notwendigkeit von Auslandseinsätzen vor Augen zu führen. Diese Bemerkung, als eine von mehreren, ist symptomatisch für das Selbstverständnis der Jugendoffiziere. Eine differenzierte, mehrere Sichtweisen einschließende Vorgehensweise sieht gewiss anders aus.“

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